Wohin komme ich in X Minuten mit dem Öffentlichen Verkehr?
Mapnificent ist ein Mashup, das eine alltägliche Frage sehr anschaulich beantwortet: Wie gross ist mein Bewegungsradius von einem beliebigen Punkt aus, wenn ich nur den Öffentlichen Verkehr benutze und höchstens X Minuten unterwegs sein will? Die Antwort auf diese Frage ist für Pendler genau so interessant wie für Touristen, aber sie lässt sich allein mit Karte und Fahrplan nur sehr mühselig beantworten.
Mapnificent kombiniert Kartenmaterial und Fahrplandaten und generiert daraus eine leicht verständliche Karte. Als Benutzer gibt man lediglich den Ausgangspunkt und die maximale Reisezeit ein, das System visualisiert das Gebiet, das der Öffentliche Verkehr unter diesen Voraussetzungen erschliesst. Befindet man sich beispielsweise in London in der Tate Modern, dann erreicht man innert 15 Minuten per Bus und Tube alle im obigen Screenshot hell dargestellten Orte. Das Beispiel macht deutlich, dass je nach Ausgestaltung des Verkehrsnetzes unter Umständen weiter entfernte Punkte schneller erreichbar sind als Orte in der Nähe.
Mapnificent from Stefan Wehrmeyer on Vimeo.
Wie das obige Video zeigt, kann Mapnificent auch ganze Heatmaps mit Reisezeiten generieren oder einen optimalen Treffpunkt für zwei ÖV-Benutzer mit unterschiedlichen Ausgangspunkten vorschlagen. Schaltet man die Option “Do you have a bike with you?” ein, dann berücksichtigt das System auch diese Transportart, das erschlossene Gebiet wird entsprechend grösser. Noch experimentell ist das Feature, dass man Wochentag und Uhrzeit angeben kann, um auch die Unterschiede in der Fahrplandichte zu berücksichtigen.
Mapnificent scheint mir nicht nur für den einzelnen Verkehrsteilnehmer, sondern auch für Städteplaner ein hervorragendes Werkzeug. Leider gibt es das Angebot nur für gut 50 Städte weltweit, die meisten liegen in den USA. Ausserdem bietet der Service keine Angaben dazu, auf welcher Route ein bestimmter Ort am besten zu erreichen ist – hierzu muss man auf die Websites der lokalen Transportunternehmen wechseln.
Routenplaner für Radfahrer in ganz Deutschland

Routenplaner sind meist auf Autofahrer ausgerichtet. Wer per Fahrrad unterwegs ist, kommt mit Google Maps & Co. zwar ebenfalls ans Ziel – aber selten auf der optimalen Route, weil das System keine Wege kennt, die ausschliesslich für Radfahrer befahrbar sind. Wer auf Google vertraut, folgt in der Regel den Hauptverkehrsachsen, die für Autofahrer zwar schnell, für Velofahrer dagegen gefährlich und wenig attraktiv sind.
Ganz anders Naviki, ein Projekt der Fachhochschule Münster: Dieser Routenplaner konzentriert sich ganz auf die Bedürfnisse der Radfahrer und empfiehlt wahlweise eine “fahrradfreundliche” oder eine “kürzere” Route. Das Wissen über velofreundliche Strecken bezieht Naviki einerseits von OpenStreetMap, andererseits von öffentlichen Stellen und Tourismusdienstleistern. Zusätzlich wertet das System Routen aus, welche die einzelnen Benutzer in ihrem Naviki-Konto ablegen. Die kostenlose Naviki-App für iPhone und Android zeichnet gefahrene Routen automatisch auf und dient zugleich als Navigationsgerät für unterwegs.
Naviki ist eine in jeder Hinsicht vorbildliche Lösung – leider ist sie (zumindest im Moment noch) auf Deutschland beschränkt.
Zürich on iPhone & iPad

Im Rahmen der Initiative eZürich hat die Limmatstadt einen sehr schön gemachten Stadtplan für das iPhone und das iPad herausgegeben. Der kostenlose ZüriPlan basiert auf der gleichnamigen Web-Version, welche in diesem Blog schon früher einmal lobend erwähnt wurde.
Als Historiker gefällt mir insbesondere die Möglichkeit, nebst dem aktuellen Stadtplan auch verschiedene historische Karten seit dem späten 18. Jahrhundert einzublenden. Dies ermöglicht ein gutes Verständnis der städtebaulichen Veränderungen wie beispielsweise das Schleifen der Schanzen oder der Bau der Quaianlagen. Beindruckend sind auch die Präzision des aktuellen Kartenmaterials – es hat einen Detaillierungsgrad ähnlich einem Katasterplan – und die Auflösung der Luftaufnahmen.
Abgerundet wird die App durch die Möglichkeit, thematische Layers einzublenden, welche etwa aktuelle Baustellen, Sportanlagen und Badeanstalten, Restaurants und Kulturstätten oder Parkhäuser und VBZ-Haltestellen zeigen. Für Velofahrer und Fussgänger gibt es einen speziellen Routenplaner, der Routen nach “direkt” oder “attraktiv” berechnen kann. Und unter dem Titel “Züri z’Fuess” findet man knapp 20 Rundgänge, deren Highlights in kurzen Texten beschrieben sind.

Wheelmap: Die Karte für Rollstuhlfahrer
Nicht nur Auto- und Velofahrer sind auf gutes Kartenmaterial mit spezifischen Zusatzinformationen angewiesen – auch für Rollstuhlfahrer ist es ausgesprochen wertvoll zu wissen, welche Orte für sie zugänglich sind und wo sie an baulichen Hindernissen scheitern. Die Wheelmap ist ein Projekt aus Berlin, das aber grundsätzlich überall auf der Welt funktioniert, wo sich Menschen finden, welche diese Informationen im Crowdsourcing-Verfahren zusammentragen. Die Karte kann nach Kategorien (z.B. Unterkunft, Essen & Trinken, Behörden & Botschaften, Bank & Post) sowie nach Status (ganz, teilweise oder nicht rollstuhlgrecht) gefiltert werden. Nebst der Web-Plattform wheelmap.org gibt es auch die Wheelmap iPhone App, da diese Informationen natürlich primär dann benötigt werden, wenn man unterwegs ist. Schön gemacht und unbedingt unterstützenswert!